Fertighäuser

In den 1970er- und 1980er-Jahren wurden in Deutschland tausende Fertighäuser in Holzrahmen-Bauweise erstellt. Ein von außen und innen in unterschiedlicher Art und Weise bekleidetes Ständerwerk aus pestizidbehandelten Rahmenhölzern – damals im Rahmen des vorbeugenden Holzschutzes gesetzlich vorgeschrieben – wurde in teils hohem Vorfertigungsgrad erstellt und auf der Baustelle montiert. Die Gefache wurden mit Mineralwolle ausgefüllt. Die raumseitige Beplankung erfolgte wahlweise mit Spanplatten oder Gipskartonplatten. Die Außenverkleidung wurde oft aus Asbestzementplatten erstellt, teilweise wurden die Außenwände verklinkert. 

Die wesentlichen und relevanten Schadstoffe in Fertighäusern stellen die Pestizide, also die sogenannten Holzschutzmittel, dar. Diese schwerflüchtigen Schadstoffe gelangen oftmals aus den Rahmenhölzern in die Raumluft. Gemessen werden zumeist erhöhte Gehalte an potenziell krebserzeugendem zum Beispiel Lindan und Pentachlorphenol (PCP) in der Atemluft. Aufgrund ihres hohen Dampfdrucks werden diese Stoffe nur sehr langsam aus den primär behandelten Bauteilen an die Raumluft abgegeben und sind daher auch noch Jahrzehnte nach der Erstellung des Gebäudes relevant.

Ein sekundäres Phänomen stellen die Chloranisole und Chlornaphthaline dar. Diese entstehen durch die mikrobielle Tätigkeit aus vorhandenen Chlorphenolen (z.B. PCP) und sind im Wesentlichen verantwortlich für den typischen und sehr häufig in Fertighäusern wahrzunehmenden muffigen und modrigen, leicht süßlichen Geruch. Eine toxikologisch begründete Gesundheitsgefährdung liegt nach derzeitigem Wissensstand nicht vor, es kann aber durchaus von einer „sozialen Toxizität“ gesprochen werden, da der muffig-schimmelige Geruch, der bei der Freisetzung der Chloranisole in die Luft entsteht, sich z.B. in der Kleidung der Bewohner festsetzt und Außenstehende diesen Geruch als unangenehm wahrnehmen.

Auch Formaldehyd ist zwingend in die Untersuchung von Fertighäusern einzubeziehen. Im Wesentlichen wird Formaldehyd aus den Spanplatten in Fertighäusern freigesetzt. Aufgrund seiner Wirkung als desinfizierend, keimtötend und konservierend, wurde es unter anderem zur Herstellung von Spanplatten, Klebern, Lacken, Farben, Holzschutzmitteln und vielem mehr verwendet. Durch die Emission aus solchen Produkten gelangt es in die Raumluft. Im Juni 2014 wurde von der EU Kommission Formaldehyd in der EU als krebserzeugend 1B und mutagen 2 eingestuft. Stoffe der Kategorie 1B sind wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen.

Neuerdings werden auch Ameisen- und Essigsäure bei einer Fertighausuntersuchung durchgeführt, das diese Stoffe maßgeblich an Schleimhautreizungen beteiligt sind und aus Span- und MDF-Platten emittieren. Auch neuere Fertighäuser sind davon betroffen.

Bezüglich möglicher gesundheitlicher Konsequenzen nicht zu vernachlässigen sind natürlich auch die Fasern z.B. aus Asbest oder künstlichen Mineralfaserdämmungen (KMF). Asbest findet sich bei vielen Objekten als großformatige Verkleidung der Fassade. Diese Verkleidungen haben im normalen Nutzungszustand keine Relevanz für die Innenraumluft, da es sich um fest gebundene Asbestprodukte handelt. Zu berücksichtigen ist diese Schadstoffbelastung bei Arbeiten an der Fassade, wie z.B. dem Einbau von Lüftungsanlagen oder bei einer energetischen Ertüchtigung der Fassade. Künstliche Mineralfasern wurden zur Wärmedämmung der Außen- und Innenwände sowie der obersten Geschossdecke eingesetzt.

Mögliche Untersuchungsmethoden sind Raumluft-, Staub- und Materialanalysen. Nach einer Begutachtung der Situation vor Ort wird eine sinnvolle Messstrategie erarbeitet, die auf die jeweiligen Belange zugeschnitten ist.